Felix Kröcher – Techno made in Germany
Geschrieben von Christian 12. August 2009 09:19Uhr in Interview
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Er steht für Techno made in Germany. Mit präzisen Mixes macht er die Musik zum Motor einer scheinbar endlosen Vorwärtsbewegung. Die Selbstverständlichkeit, mit der Felix Kröcher Maschinen bedient und Menschen begeistert, macht ihn zum Sinnbild für eine neue Generation von DJs. Als gebürtiger Frankfurter des Jahrgangs 1983 wird er mit dem Sound of Frankfurt groß. Mit 10 Jahren hat er seine ersten Plattenspieler, mit 16 spielt Felix seine ersten öffentlichen Gigs, begleitet von Papa, Felix Kröcher Senior. Nach dem Schulabschluss geht es in die Ausbildung zum Radioredakteur beim Jugendsender sunshine live. Aus dem entstehenden Netzwerk erwachsen Ideen und Möglichkeiten, zuerst umgesetzt 2002 in eigenen Veranstaltungen, später in gemeinsamen Studio-Sessions. 2004 hat Felix Kröcher sein erstes Release „Decksharks EP“ und geht mit seiner eigenen Radio-Show „Hardliner“ auf sunshine live on Air, die bis heute erfolgreich über den Äther läuft. 2005 kommt die Residency im Frankfurter U60311 hinzu. Die Leser von Raveline wählen Felix Kröcher in der Kategorie Best DJ National 2007 auf Platz 1. Heute blickt Felix auf 61 Releases zurück, darunter Artist Alben und EPs, Remixes und die DVD „The Live Collection“. Seine Veröffentlichungen findet man auf renommierten Labels wie Alphabet City, Compressed, Kne’Deep, V2 oder ZYX. Obendrein launched Felix Kröcher 2007 sein eigenes Label FK-Recordings. Ein enormes Pensum, ein kompakter, geradliniger Werdegang, eine scheinbar endlose Vorwärtsbewegung. Hier unser exklusives Interview für euch:
Du bist großer Fan der Festivalsaison. Ibiza, Frankreich, Holland und natürlich Deutschland sind Stationen, wo du diesen Sommer kräftig Gas gibst. Welche tollen oder verrückten Eindrücke hast du bislang mitgenommen und worauf freust du dich noch besonders?
Das ist richtig, wenn jemand Fan der Festivalsaison ist, dann bin ich es! Ich liebe es einfach im Sommer zu spielen, es befreit richtig. Nun dürft ihr euch aber nicht vorstellen das mir die Club Gigs nicht gefallen, aber das ist einfach etwas anderes. Eindrücke habe ich dieses Jahr auch sehr viele mitbekommen. Erst Vorgestern spielte ich auf Ibiza gemeinsam mit Mauro Picotto und Technasia, 2 tolle Kollegen mit denen es Spaß macht Party zu feiern. Vor 2 Wochen wurde mit der „Ruhr In Love“ die Sommersaison so richtig gestartet, ganze 40 000 Jungs & Mädels haben sich da versammelt und wenn so der Sommer weiter gehen sollte, dann wird es einmal mehr ein schönes Erlebnis! Nicht zu vergessen Nature One, SonneMondSterne oder Streetparade bei der ich erstmals zur Abschlusskundgebung spielen darf, um nur einige Highlights zu nennen.
Du hast sogar an der diesjährigen SonneMondSterne Compilation mit gemixt, wie kam’s dazu und welchen Sound hast du dort zusammengestellt?
Wir haben dieses Jahr einige Anfragen für mich ins Office bekommen, bei denen es darum ging eine Compilation zu mixen. Eigentlich hatte ich auch vor, wieder etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, doch das SonneMondSterne Festival liegt mir am Herzen, ich bin dort gern, fühl mich dort wohl und so war die Entscheidung nicht schwer, ganz im Gegenteil ich bin glücklich diese CD gemixt zu haben. Zum Thema Sound lässt es sich wohl so am besten erklären: da ich schon ein paar Mal Eindrücke auf der SMS sammeln konnte, habe ich einfach Tracks zusammen gestellt, die in meinen Augen das Festival wiedergeben. Mal sind sommerliche, mal atmosphärische Klänge zu hören, ohne dabei auch Peak-Time Punkte in dem Set zu setzen, denke das ist recht rund geworden und schön zu hören! Es ist nicht leicht eine gesamte Bandbreite auf einem Silberling zu präsentieren, bevor eine CD in den Handel kommt, hat man schließlich 2 Monate im Voraus dafür gearbeitet um die einzelnen Tracks bei den Labels zu erfragen, Freigaben zu erhalten und sie letzt endlich zu mixen, aber bei dieser Sache bin ich mit dem Endprodukt ganz zufrieden!
Welche sind deine Lieblingstools am Pult und wie machst du deine Sets immer wieder zu einem Erlebnis?
Ach so einen wirklichen Lieblingstool an sich gibt es gar nicht. Natürlich ist es toll mit einer Filterbank zu arbeiten, aber es gibt ja „Gott sei dank“ mittlerweile viele schöne Eigenschaften, die in einem Pult verarbeitet sind. In erster Linie muss aber ein Track allein schon regelrechtes Feuerwerk versprühen, erst dann kommt er bei mir in die engere Auswahl für das eigentliche Set!
Du warst gerade mal 10 Jahre alt, als du dir deine ersten eigenen Plattenspieler gekauft hast. Wie bist du so früh dazu gekommen und was oder wer hat dich inspiriert?
Inspiriert wurde ich von meiner älteren Schwester und deren Freunde. Dort bekam ich zum ersten Mal elektronische Musik zu hören. Damals war es einfach Pflicht und Gesetz sich die neusten Sets aus der HR3 Clubnight „aufzunehmen“, das sag ich ganz bewusst, denn zwar ist es erst einige Jahre her, aber heute kann man alles im Nachhinein stets aus dem Netz beziehen. Wir haben schön alles auf Kassette aufgezeichnet, das war toll. Eigentlich hat mich das auch nicht mehr losgelassen, natürlich gab es in meiner Kindheit auch andere Musik, ich war und bin schon immer sehr musiksüchtig, doch mit den ersten Partys, die ich dann einige Zeit später besucht habe, ließ mich die elektronische Musik nicht mehr los.
Im Raveline Jahrespoll hast du schon 2007 richtig abgeräumt. Sicher eine häufig gestellte Frage, aber wie schafft man es mit 24 Jahren alte Hasen wie Sven Väth oder Paul van Dyk hinter sich zu lassen und zum besten nationalen DJ gekürt zu werden?
Da sollte man einfach mal ganz realitätsnah bleiben. Natürlich bin ich bei den letzten beiden Jahrespolls jeweils auf Nummer 1 gelandet, was mich auch sehr glücklich macht und riesig freut, es ist schließlich auch ein unbezahlbares Dankeschön meiner Fan´s. Nur darf man mich nicht mit einem Sven Väth vergleichen, dieser Eindruck entsteht natürlich, wenn ein junger Künstler plötzlich zwischen den ganzen Heroes steht, doch das wäre zu vermessen! Nur um die Frage zu beantworten, ich bin immer mit meinem Herzen dabei, schätze das was ich in meinem Leben machen darf sehr hoch und bin nie abgeneigt, Menschen die zu meinen Partys kommen einen schönen Abend zu bescheren, sie förmlich den Alltag vergessen zu lassen, das kann man mit Musik eigentlich recht gut. Nur um an die anderen Jungs und an die anderen Mädels (eine Monika Kruse wird ja dort auch sehr hoch aufgeführt!) in diesem Poll zu gelangen, braucht es sicherlich noch einige Jahre, da zählt nämlich in meinen Augen einzig und allein über Jahre harte Arbeit, Grenzen zu überschreiten und natürlich Erfolg!
Mit deinem eigenen Label FK Recordings möchtest du sicher auch Zeichen in der elektronischen Szene setzen. Was und wen präsentierst du und warum setzt du nach wie vor auf Techno, Techno, Techno?
Ach das ist eigentlich ganz einfach, denn ich denke nicht in Schubladen, ob sich das nun Techno, Elektro, House, Minimal, Tech House oder ähnlich benannt wird, ist mir ziemlich Wurst. Ich steh doch nicht im Club und sag „Ach dieser House Track gefällt mir jetzt“, entweder er hat was Besonderes, das gewisse etwas oder er hat es nicht und dabei ist mir es auch egal, ob er mir nun schnell oder langsam vorkommt. Das gesamte Paket muss stimmen. Das ist leider ein Generationsproblem, wobei ich nicht sagen möchte, dass es früher nicht so war. Aber die jüngere Generation, die vielleicht noch nicht so einen Horizont für die elektronische Musik besitzt, steckt meist einiges in Schubladen und sie lassen sich zu schnell irritieren, springen zu schnell auf einen fahrenden, meist längst abgefahrenen Zug mit auf. Wobei wiederum ältere Semester eher mal Toleranz zeigen. In meinen Augen eine ganz normale Situation, man muss nur erkennen damit umzugehen, denn auf der Tanzfläche hat man alle zu bedienen. Das ist eine Herausforderung, die den größten Spaß macht, über die man aber auch ein Buch schreiben könnte! J Zum Label selbst gibt es noch zu sagen, das wir aktuell im Hinterstübchen viele neue Ideen umsetzen, alte Erfahrungen spielen lassen und neuen Dingen nicht verschlossen sind, das wird spannend.
Du kommst ja nun aus der Techno-Stadt Frankfurt – was hat dich da am meisten beeinflusst und geprägt? Mit 25 hast du sicher nicht alles der Anfänge vor Ort miterleben können, oder?
Nein leider nicht, das ärgert mich auch manchmal. Allerdings sehe ich mich einfach als eine neue Generation, die vieles mitnimmt, aber auch Neues ausprobiert, denn nur so hält man das Rad in Bewegung. Dabei geht es mir nicht darum Dinge zu kopieren, aber wenn etwas Hand und Fuß hat, dann sollte man sich der Sache nicht verweigern, nur eben anders und mit seiner eigenen Note versehen. Ein zweites Cocoon sehe ziemlich schlecht aus und wäre darüber hinaus ziemlich langweilig. Geprägt hat mich vieles in meiner Heimat, es gibt schließlich auch einiges, was dort in über 2 Jahrzehnten verwirklicht wurde.
Was hast du denn nach dem Sommer geplant, geht’s ins Studio, auf Tour, gibt’s neue Projekte, Vös, worauf dürfen wir uns freuen?
Auf all das was ihr aufgezählt habt. Natürlich steht in erster Reihe die Tour, im Sommer bleibt einem da auch meist keine Zeit für andere Dinge, da man die Momente in denen man mal nicht unterwegs ist auch braucht, um kurz Luft zu holen. Doch ins Studio geht es auch und nicht nur einmal J Aktuell bin ich dabei Studiotermine ganz klar festzulegen, sonst wird das meist nichts. Es ist einfach eine Sache, die ich mit der Zeit ernster nehme und mir dafür extra Zeit schaffe!
Hast du Visionen für die Zukunft?
Ach Visionen gibt es viele für die Zukunft, ich bin Künstler, das ist ein ganz normales Verhältnis, das man da viele Sachen zurecht spinnt, welche dann tatsächlich umsetzbar sind, zeigt sich dann meist, wenn man sie anpackt. Wir wollen zum einen das Label viel mehr in Angriff nehmen, dort ist in letzter Zeit einfach zu wenig passiert, wenn man sich vor Augen führt, was man in der Tat so alles damit anstellen kann. Ansonsten möchte ich als DJ einfach weitere Länder bereisen, nach Europa, Asien & Südamerika, wäre schön auch mal eine kleine Tour in den USA zu spielen, aber all das sind noch Pläne die verwirklicht werden müssen.
Was denkst du, wo wird sich die ganze Techno & House Szene in den nächsten 10 Jahren hin entwickeln?
Nostradamus bin ich leider nicht, noch besitze ich eine Glaskugel. Ich versuch es einfach realistisch zu sehen und hab dabei gar keine schlechten Gedanken. Alle „TECHNO ist tot“ Schreier dürfen mir gern eine andere Musik Art nennen, die sich in den letzten Jahrzehnten so entwickelt hat wie eben unsere Elektronische Szene. Welche Musik vereint Menschen denn so wie auf einer Loveparade, wo Millionen Menschen hin kommen. Natürlich kommt da meist die Antwort, in den letzten Jahren war es nur Kommerz oder es waren keine Millionen Menschen, aber weshalb kommt so was als Antwort, weil den Wenigen nichts besseres einfällt. Man könnte viele Argumente bringen, wie z.B. welche Szene schafft es, Wochenende für Wochenende so zahlreiche Menschen in die Clubs weltweit zu bringen? Fern ab dieser Fragen muss man sich aber auch ganz sicher eingestehen, dass man hier und da schon bessere Zeiten erlebt hat. Da sind wir wieder bei den Generationen, muss vielleicht auch mal wieder vieles überdacht werden. Dinge die früher perfekt gelaufen sind, interessieren heute einfach nicht mehr, das ist doch völlig normal und kein Grund Angst zu bekommen oder gar zu meinen es geht bergab. Wenn man heute eine Zeitung ließt oder Nachrichten schaut, dann bekommt man nur Schlechtes zu hören. Bla Bla, die Welt steht vor einer Krise, ich kann das einfach nicht mehr hören und lasst euch das nicht einreden. Ich bin kein Messias, aber wir sind auf der Welt um zu Leben und um auch ein bisschen Spaß zu haben. Mag sein, das ich jetzt für viele vom Thema abschweife, aber ich denke das sind Faktoren die uns überhaupt dazu bringen, Dinge in Frage zu stellen, wie eben auch „Wird es in 10 Jahren noch Techno geben“!
Was treibst du so, wenn du mal nicht arbeitest und auflegst, gibt’s da noch andere Dinge, die dich herausfordern?
Die Zeit ist zwar etwas begrenzt, da es meinen Alltag ziemlich ausfüllt, allerdings hab ich auch eine Familie Zuhause und wenn ich nicht arbeite, dann gilt meine Aufmerksamkeit ganz klar meiner Frau und meiner kleinen Tochter, wie bei allen Papas auf dieser Welt auch! Man muss sich im Leben auch manchmal Grenzen setzen.
Hast du noch ein paar nette Worte an unsere Leser übrig, bevor du das “House or Heaven Open Air” in der Lausitz rockst?
Ja sehr gern. Da meine Frau aus der Lausitz stammt und ich seit einigen Jahren auch immer wieder gern dort hinkomme, sei es mal im Sommer oder im Winter zu Weihnachten, freu ich mich schon riesig darauf mit Euch zu feiern und da ich in dieser Gegend Deutschlands noch nie wirklich aufgetreten bin natürlich um so mehr!
Herzlichen Dank!
Interview Nicole Zwahr
Info
- www.myspace.com/felixkroecher
- www.youtube.com/kroecherfelix
- Felix Kröcher live bei House or Heaven in Schönau-Berzdorf
Tags:DJ, Interview, Musik, SonneMondSterne, Techno
30.03.2010 um 17:03Uhr
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