Tobi Neumann
Geschrieben von Christian 10. November 2008 11:43Uhr in Interview
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Tobi Neumann zählt ohne Frage zur Créme der deutschen Producer-Szene. Er hält sich gerne im Hintergrund, produziert/e namhafte DJs, Bands und Acts wie Chicks on Speed, DJ Hell, Miss Kittin, 2Raumwohnung oder Sven Väth. Seit 2001 lebt der Münchner in Berlin und ist heute mit 43 Jahren als DJ gefragter denn je. Das nicht ohne Grund, denn seine Sets sind berühmt und berüchtigt in den Clubs und auf Festivals weltweit. Am 15. November legt er einen Zwischenstopp im Bautzener Casino auf dem Flugplatz Litten/ Bautzen ein. Unsere Redakteurin Nicole holte den Cocoon-Liebling für euch ans Telefon und sprach mit ihm über Senf, aktuelle Musik und Projekte:
Hey wie geht’s dir?
Gut, ich komme gerade aus der USA vom Burningman Festival. Das ist eine Art Kunstfestival, da wird in der Wüste in Nevada eine komplette Stadt aufgebaut. Ist natürlich etwas staubig da, aber schon beeindruckend.
Du warst ja diesen Sommer viel unterwegs, von welchen Inspirationen wirst du über den Winter am meisten zehren?
Definitiv von der Musik von Reboot. Ja und generell spiele ich im Winter eh etwas anders, düsterer und hypnotischer.
Hast du eigentlich schon mal was von Bautzen gehört, was fällt dir da als erstes ein?
Als erstes denke ich da an den Bautzener Senf und an Würstchen und an die schönen Mädchen! Ich hoffe das da natürlich auch einige auf der Party sein werden…lach.
Du bist eigentlich Münchner, pflegst du noch Kontakt in deine Heimatstadt?
Selbstverständlich. Meine Familie lebt dort und ich freue mich immer wenn ich da bin. Ich spiele natürlich auch immer wieder mal in München.
Seit vielen Jahren gibt es dort die bekannte House- Party-Reihe Flokati, die du ja vor über 10 Jahren mit ins Leben gerufen hast. Bist du da immer noch aktiv dabei?
Die Reihe gibt es noch, allerdings hat sie etwas an ihrem ursprünglichen Charakter und Charme mit der Zeit verloren. Mir war immer eine sehr persönliche Betreuung der Gäste wichtig. Heute steht mein damaliger Partner nur noch an der Tür. Ich bin 2002 ausgestiegen. Ok, die jungen Leute wollen da heute einfach abfeiern, aber für mich waren das damals die goldenen Jahre.
Im Jahr 2001 bist du von München nach Berlin umgezogen. Warum hast du dich dazu entschlossen?
Ich bin in meiner Heimat irgendwann an meine Grenzen gekommen, wo ich wiederum in Berlin auf einen recht unkonventionellen Lebensstil gestoßen bin. Ich fühlte mich dann so besser in Berlin und wollte eigentlich immer schon nach Berlin und dann hatte es sich so ergeben. Ich hatte in München eben irgendwann das Gefühl, mich zu isolieren und meine Freunde hatten mit zunehmendem Alter eben andere Prioritäten als ich.
Du gehörst zur Frankfurter Cocoon- Schmiede, lebst aber in Berlin. Was unterscheidet deiner Meinung beide Metropolen?
Also Berlin und Frankfurt sind für die Musikszene gleichermaßen wichtig. Ohne die Frankfurter Szene würden wir auf jeden Fall arm aussehen. Die Kultur der Festivals und Clubs ist irre wichtig. Berlin ebenso, wir können froh sein, das wir sie beide haben.
Du hast eine recht alte Scheibe namens „Transformation” (1992) von Tommi Eckard von 2Raumwohnung diesen Sommer als Rmx wieder aufleben lassen. Warum?
Ja die Scheibe ist im Juni auf dem Label „itsounds” erschienen und ist ein alter Ohrwurm. Wollte das schon lange mal machen und als dann der Tom Novy einen ziemlich schrecklichen Kommerz Rmx gemacht hat, sollte ich dann einen machen. Gemeinsam mit Mathew Styles haben wir dann diesen Rmx kreiert, was sehr viel Spaß gemacht hat.
Was gibt es sonst an aktuellen Projekten und Tracks von dir?
Von meinem Projekt Sensitiva, was ich gemeinsam mit Onur Özer mache, gibt’s demnächst was Neues und zwar auf dem Label SecretSundaze. Das Stück heißt „Viola tricolor”. Auf SecretSundaze ist bereits im Mai eine Mix-CD von mir erschienen. Sensitiva war in diesem Jahr auch auf dem Pure100% Label mit einer Platte vertreten. Dazu existiert ja noch mein Projekt Glove zusammen mit Thies Mynther.
Du bist 43 Jahre alt, wie bleibst und bist du so fit für all die wilden Partynächte?
Ich versuche mich gesund zu ernähren, mache regelmäßig Sport und trinke Tonnen von Wasser. Wichtig ist dabei nicht zu viele Gummibärchen zu essen…lach! Gemüse nur dünsten, Fisch, Salat, viele Fruchtsäfte, kein Alkohol unter der Woche! Kochen hat ja schon mit dem Auflegen was ähnliches, man mischt ebenso, das hat sehr viel mit Gefühl und Spirit zu tun und natürlich auch mit know how!
Wann und wie hast du die Entscheidung getroffen, dich voll und ganz der elektronischer Musik und dem Produzieren hinzugeben?
Das war 1998, damals habe ich noch beim Fernsehen gearbeitet. Ich produzierte mit der Band Bananafishbones den Titel “Come to Sin” und wir schafften es in die Top 20 der deutschen Charts. Mit genügend Geld und Selbstbewusstsein ging es dann in die Vollen. Das es sich allerdings so entwickeln würde, davon bin ich nie ausgegangen.
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Tags: DJ, Interview, Musik
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